Tornado

Heute morgen bin ich mit äußerst verwuschelten Haaren aufgewacht. Kein Wunder, denn ich bin im Reich der Träume gleich von mehreren Tornados heimgesucht worden, großen, bedrohlichen, grauschwarzen, alles zu zermalmen drohenden Windhosen. Zwei davon näherten sich mir mit buchstäblich atemberaubender Geschwindigkeit und ich erinnere mich, gedacht zu haben: „Schade, jetzt muss ich leider los und mir eine tornadosichere Bleibe suchen, obwohl ich diesem Naturschauspiel doch viel lieber noch eine Weile zuschauen würde.“ Es wurde höchste Zeit, einen Keller oder eine Karottenmiete oder einfach irgendein unterirdisches Bauwerk zu finden, denn ein Tornado war bereits so nah und drehte sich so irre schnell, dass Atmen kaum mehr möglich war. Als ich mich umschaute, musste ich allerdings feststellen, dass ich offenbar ausschließlich von maroden Holzscheunen umgeben war. Irgendwoher tauchte dann doch in letzter Sekunde eine Tür im Boden auf, ich hastete die Treppen hinunter, hinter mir plötzlich eine Gruppe namenloser Freunde–den letzten von uns hat es erwischt.

Jetzt erstmal Kaffee.

Drei Fragezeichen???

Weil es beim letzten Mal so schön war, habe ich auch diesmal wieder mitgemacht. Beim Buchdate. Hier.

Diesmal ist Katja vom Blog Zwischen den Seiten mein Buchdate geworden: Hallo Katja, schön, dich kennenzulernen 🙂

Und hier sind meine drei Empfehlungen für dich:

(1) Chimamanda Ngozi Adichie: Blauer Hibiskus

51d2ep4ppzl

Worum gehts? Ich zitiere: „Das Haus von Kambilis Familie liegt inmitten von Hibiskus, Tempelbäumen und hohen Mauern, die Welt dahinter ist das von politischen Unruhen geprägte Nigeria. Mit sanfter, eindringlicher Stimme erzählt die 15jährige Kambili von dem Jahr, in dem ihr Land im Terror versank, ihre Familie auseinanderfiel und ihre Kindheit zuende ging. Der erste vielgelobte Roman Adichies, verzweifelt schön und ganz gegenwartsnah.“

(2) Ulrike Almut Sandig: Flamingos

51dxw-yxahl

Ein Kurzgeschichtenband, der mich sehr beeindruckt hat. Ein (nicht unbedingt repräsentativer) Textauszug: „Flamingos stehen in Gruppen, aber jeder Einzelne ist allein. Sie halten Abstand. Sie sind wachsam. Wir finden sie hässlich. Wir finden sie schön. Sie sehen aus, als würden sie brennen, aber das ist nicht wahr. Sie sehen aus, als wären sie nicht kaputt zu machen, aber auch das ist nicht wahr. Sie erwecken den Anschein, als wären sie gar nicht da. Sie sind aber da. Sie stehen mitten unter uns, und sie sind schwer. Doch auf der Oberfläche der seichten Gewässer laufen sie uns davon.“

(3) Carson McCullers: Das Herz ist ein einsamer Jäger

51e9gy1zyvl

Ein weiteres meiner Lieblingsbücher: „Der Roman spielt im Staat Georgia, in einer hässlichen heißen Innenstadt. Es ist die Geschichte eines begabten Mädchens, Mick Kelly, und ihres gewaltsamen Kampfes gegen eine unnachgiebige und harte Umgebung. Carson McCullers‘ mitleidiges Engagement gilt den einsamen Sonderlingen und Außenseitern, die sich um den taubstummen John Singer scharen, um ihm ihr Herz auszuschütten.“

Liebe Katja, ich hoffe, da ist etwas für dich dabei 🙂

Dickinson zum Zweiten

Eben, ich lag schon im Bett, kam mir ein Vers von Emily Dickinson in den Sinn: „After great pain, a formal feeling comes“. Und weil ich hier schon lange kein Lieblingsgedicht (anderer Autoren und Autorinnen) mehr gepostet habe, hole ich das jetzt nach. Hier ist Dickinson zum Zweiten.

After great pain, a formal feeling comes –
The Nerves sit ceremonious, like Tombs –
The stiff Heart questions ‘was it He, that bore,’
And ‘Yesterday, or Centuries before’?

The Feet, mechanical, go round –
A Wooden way
Of Ground, or Air, or Ought –
Regardless grown,

A Quartz contentment, like a stone –

This is the Hour of Lead –
Remembered, if outlived,
As Freezing persons, recollect the Snow –
First – Chill – then Stupor – then the letting go –