Alienaids Wort zum Montag

Nur zur Info: Das hier ist kein Wettbewerb in Kaltschnäuzigkeit.

Die Menge an still ertragenem Leid wird nach dem Tod nicht in Gold aufgewogen.

Man landet nicht auf dem Siegertreppchen, weil man nie eine Miene verzogen hat; es klopft dir kein Mann mit Rauschebart auf die Schulter, weil du stets dein Happy Face aufgesetzt hast.

Das wiederholte Herunterschlucken von Ärger und Enttäuschung bringt dir keine postum verliehene Plakette mit der Aufschrift „Top-Lebenskünstler“ ein.

Wir sind nicht auf dieser Welt, um uns gegenseitig an Unerschütterlichkeit zu übertreffen.

best-life-ever

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What Fifty Said

Von der Fünfzig bin ich zwar noch ein paar Jahre entfernt, aber Robert Frosts „What Fifty Said“ gehört trotzdem zu meinen Lieblingsgedichten.

When I was young my teachers were the old.
I gave up fire for form till I was cold.
I suffered like a metal being cast.
I went to school to age to learn the past.

Now I am old my teachers are the young.
What can’t be molded must be cracked and sprung.
I strain at lessons fit to start a suture.
I go to school to youth to learn the future.

Ich finde interessant, wie Frost die zwei „Wandlungen“ beschreibt. In der Jugend ist man weich, biegsam; man ist anpassungswillig, wird in eine Form gegossen („molded“) und härtet aus. Der Prozess ist schmerzhaft, man leidet. Trotzdem unterzieht man sich ihm gewissermaßen freiwillig: Man gibt sein Feuer, seinen Individualismus auf, um dazuzugehören, um die Anerkennung der Menschen um einen herum zu gewinnen.

Im Alter ist man bereits erstarrt, man ist Form geworden. Anpassung fällt einem nun nicht mehr leicht, man kann nicht mehr einfach in eine neue Form gegossen werden. Wenn sich nun noch etwas ändern soll, dann kann das nur auf eine andere Weise geschehen als in der Kindheit und Jugend. Die Form muss aufgebrochen werden, damit sich das Innere, Weiche, der hoffentlich noch flüssige Kern, ergießen kann. Es ist die Beobachtung der Jugend, die Wahrnehmung von (hoffentlich) Unbeschwertheit, Eigensinn und Echtheit, die unserer erstarrten Außenhülle Risse zufügt, die uns bewusst macht, wie schmerzhaft und quälend der Formungsprozess war, den wir als Kinder so bereitwillig auf uns genommen haben.

Tauschgeschäfte

Du bist du, und ich bin ich,
und tauschen möcht‘ ich lieber nich.

Ich hab‘ mich in mir eingerichtet,
habe mich an mich gewöhnt,
bin mir selbst zu nichts verpflichtet,
sehe mich–ganz?–ungeschönt.

Und wärst du ich, und wär‘ ich du,
dann ließe mir das keine Ruh‘,
ich müsste mich für dich erwärmen,
dich–mich–nochmal neu kennenlernen.

Nein, ich zu sein fällt mir oft schwer,
doch tauschen mag ich heut‘ nicht mehr.

Kernfusion

Lena war—mein Lebensmensch. Meine Seelenverwandte. Diese Topf-Deckel-Geschichte fanden wir albern, ich hab sie immer meine Funktion genannt, sie mich ihr Argument. Da sieht man mal, was die Wissenschaft aus uns gemacht hat… Jedenfalls war sie meine erste und einzige Liebe.

Read on, yeah!

Spieltrieb

Menschen haben sonderbare Steckenpferde, kultivieren Spezialinteressen, fuchsen sich in die abseitigsten Themen ein, einfach so, aus Spaß an der Freude. Neulich war in der Wochenendausgabe der Süddeutschen ein Artikel über einen Amateurfunker, der seit Jahrzehnten von seiner Schrebergartenhütte aus in alle Welt morst–und darüber hinaus, denn seine Morsesignale haben sogar schon die ISS erreicht.

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