Wir telefonieren

Ich würde gerne etwas sagen
aber
mein Atem stockt
die Worte gerinnen
fällen aus
Stalaktiten in meinem Rachen
Bandsalat in meinem Kehlkopf
ich schweige—

—vielleicht
beim nächsten Mal.

Sprachlosigkeit

Was wäre, wenn wir einmal wirklich miteinander sprächen? Was wäre dann? Wenn wir einander von den alten Wunden erzählten? Wenn wir unser kollektives Schweigen brächen? Einander Vorwürfe machten? Ein Tribunal abhielten? Einander Richter wären und Verteidiger? Würde das den zerbrechlichen Frieden gefährden? Oder erst echten Frieden ermöglichen?

Wir wissen es nicht und sagen uns deshalb „Schön ist es heute!“, „Die Sonne scheint endlich einmal wieder…“, „Hat es bei euch auch so gestürmt?“ Wir jonglieren mit Hohlheiten, werfen einander abgedroschene Satzattrappen zu, aus Vorsicht, aus Angst vor der Sprachlosigkeit.