Melancholiza

Once upon a time, in some unimportant town,
there lived Melancholiza,
the girl who always wore a frown.
Every time—day in, day out—
as soon as she got out of bed,
she felt a funny kind of sad.

Some friends of Melancholiza’s, trying to be nice,
offered unsolicited and rather trite advice:
„Don’t listen to depressing music,
stay away from tragedy,
devote your time to something worthwhile,
and quit doing philosophy!“

Melancholiza, none the wiser, felt obliged to reciprocate:
„Your efforts I appreciate,
but please: do not commiserate.
See, I can’t help but wear a frown,
and while you folks enjoy yourselves,
myself just wants to drown.“

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Pneu

In meinem nächsten Leben wär‘ ich
dann bitte gern ein Pneu:
prall gefüllt mit heißer Luft
und mutig wie ein Leu.

In meiner Reinkarnation
als Reifenmanifestation
von Goodyear oder Michelin
nähm‘ ich den Rubberistic Turn.

Rollt‘ als perpetuum mobile
durch Wüstenei und Pulverschnee.
Und wer sich nicht beizeiten trollt,
der würde von mir überrollt.

Konsequent

„Wer ‚A‘ sagt, muss auch ‚B‘ sagen“,
prostest du mir zu.
„Denn Konsequenzen muss man tragen,
da hilft kein Jammern und kein Klagen.“

„Komm, nun mach‘ schon,
Kneifen gilt nicht!“,
stimmen deine Freunde ein.
„Oder möchtest du auf ewig
unser Spielverderber sein?“

Ich hadere mit meinem Schicksal,
ihr trinkt derweil eins über’n Durst,
und raunt mir über’s Bierglas zu:
„Für dich gibt’s keine Extrawurst!“

Also fass‘ ich mir ein Herz
—denn nachzugeben tut mir weh—
blicke trotzig in die Runde
und sage zähneknirschend: „B.“

Ballade von der philosophischen Fledermaus

Eines Abends—es dämmerte schon—
galoppierte ein Knabe—des Gutsherren Sohn—
über die Felder nach Hause, Gebäck im Gepäck,
und Hirtenkäse und Schinkenspeck.

Er hatte den Gutshof beinahe schon erreicht,
da scheute sein Pferd und strauchelte leicht,
und des Gutsherren Sohn sich unverhofft fand
am Boden, im Sand, mit verstauchter Hand.

Ein Schatten hatte das Pferd irritiert,
der flatterte vorbei gänzlich ungeniert,
streifte Ross und Reiter derart unverschämt,
dass des Gutsherren Sohn sich vergackeiert wähnt‘.

Des Knaben Ärger war beträchtlich
und so schnaubte er verächtlich:
„Schatten, ungeheuerlich!
Sieh, ich weiß ich alles über dich:
Traust dich nur abends aus dem Haus,
du sonnenscheue Fledermaus,
um edle Rösser zu erschrecken,
dich an Insekten zu erklecken!“

S‘ Fledermäuslein dachte sich:
„Nur eines, Bursche, weißt du nicht:
Wie es ist zu sein wie ich.“*

 

*Warum der Knabe nicht weiß, wie es ist, eine Fledermaus zu sein?

Frühlingsgefühle

Im Karlsruher Hardtwald lustwandelte ich
bei strahlendem Sonnenschein so für mich hin,
durchstreifte den Forst und sammelte mich
mit dem Vorsatz, nichts zu suchen (außer Buchen).

Ich fand mich inmitten der Wonnen des Frühlings,
bestaunte der Tierwelt geschäftiges Treiben,
Käfer, die sich Blätterhumus, und Vögel,
die sich Käfer einverleiben.

Hohen Herzens, frohen Mutes
ging ich Schritt für Schritt für Schritt.
Soviel Schönheit, soviel Gutes,
nur eines bracht‘ mich aus dem Tritt:

Ein (fast) perfekter Frühlingstag,
den ich partout nicht missen mag,
von einem Vogel unerhört jäh gestört.

Warum der kleine Frühlingsvogel
mit seinem pudrigen Gefieder
sich ausgerechnet auf meinem Handrücken erleichtern musste
versteh‘ ich einfach nicht!!!

Rat. Schläge.

Du fragst: „Was ist der Sinn des Lebens—
und was zur Hölle soll ich tun?“
Freu dich, du fragst mich nicht vergebens,
denn ich werde nicht eher ruh’n,
bis ich deine schwere Frage
zur äußersten Zufriedenheit
und ohne jede Eitelkeit
beantwortet, erledigt habe.

Und während du noch fragend schaust,
dich nicht einmal zu blinzeln traust,
da sind meine Beraterpferde
schon lange mit mir durchgegangen,
da habe ich dein weit’res Leben,
dein Lieben, Wollen, und dein Streben,
schon minutiös durchgeplant.
Mit analytischer Machete der Lebenslogik Weg gebahnt.

Zunächst machst du den Bachelor,
danach ein Auslandsjahr,
und zwischendurch lernst du Chinesisch,
am besten vor dem MBA.
Und kauf‘ dir ein Paar guter Schuhe,
das ist eine Investition,
die sich in allen Lebenslagen
bewährt und deshalb immer lohnt.

Mit Haargel machst du nichts verkehrt,
sei schlank, doch wirke wohlgenährt,
und ein Benimmkurs kann nicht schaden,
am Anfang jedenfalls,
denn irgendwann führst du den Laden.

Sinn und Lebensqualität
sind überkommene Konzepte,
fernab jeder Realität.

What Fifty Said

Von der Fünfzig bin ich zwar noch ein paar Jahre entfernt, aber Robert Frosts „What Fifty Said“ gehört trotzdem zu meinen Lieblingsgedichten.

When I was young my teachers were the old.
I gave up fire for form till I was cold.
I suffered like a metal being cast.
I went to school to age to learn the past.

Now I am old my teachers are the young.
What can’t be molded must be cracked and sprung.
I strain at lessons fit to start a suture.
I go to school to youth to learn the future.

Ich finde interessant, wie Frost die zwei „Wandlungen“ beschreibt. In der Jugend ist man weich, biegsam; man ist anpassungswillig, wird in eine Form gegossen („molded“) und härtet aus. Der Prozess ist schmerzhaft, man leidet. Trotzdem unterzieht man sich ihm gewissermaßen freiwillig: Man gibt sein Feuer, seinen Individualismus auf, um dazuzugehören, um die Anerkennung der Menschen um einen herum zu gewinnen.

Im Alter ist man bereits erstarrt, man ist Form geworden. Anpassung fällt einem nun nicht mehr leicht, man kann nicht mehr einfach in eine neue Form gegossen werden. Wenn sich nun noch etwas ändern soll, dann kann das nur auf eine andere Weise geschehen als in der Kindheit und Jugend. Die Form muss aufgebrochen werden, damit sich das Innere, Weiche, der hoffentlich noch flüssige Kern, ergießen kann. Es ist die Beobachtung der Jugend, die Wahrnehmung von (hoffentlich) Unbeschwertheit, Eigensinn und Echtheit, die unserer erstarrten Außenhülle Risse zufügt, die uns bewusst macht, wie schmerzhaft und quälend der Formungsprozess war, den wir als Kinder so bereitwillig auf uns genommen haben.

Cleaning the table in germanized English

Yes, I want to clean the table,
tell everybody my two cents,
and I am sure that I am able
to do so in the English sense.

I know my English’s far from perfect,
I cannot pronounce the ‚th‘,
but I don’t care, ′cause I am German,
and need to set the matters straight.

And if you think big, I think bigger,
and see the even greater good,
it just comes naturally to me,
against all odds and likelihood.

The upshot being: I love talking,
and even more so English-wise,
if I can’t talk, I turn to blogging,
and do so nearly just as nice.