Vorkehrungen

Eigentlich mag ich sie nicht mehr lesen,
aber die Kommentarspalten der größeren und kleineren Zeitungen,
gekapert von Trollen, triefend vor Ressentiments,
üben eine seltsame Faszination auf mich aus.

Nirgendwo sonst kann ich mich so fühlen
als säße ich mitten in Deiner Stammtischrunde,
all Dein Ärger, Deine Wut und Enttäuschung nieseln,
nein: prasseln auf mich nieder.

Du sagst: „Haters gonna hate!“
Ich geh‘ mit Helm ins Internet.

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Traumfragment II

Ich lese einen längeren Brief (oder ist es eine E-Mail?) von meinem Opa und bin irritiert, weil er mich durchgehend siezt. Anschließend füttere ich die Pferde, Lorenc verschluckt sich am Stroh und rennt panisch über den Hof, um sich an die gegenüberliegende Mauer zu werfen.

Traumfragment

Ich gehe, nein ich schlurfe, wie ein Zombie schlurfe ich zum Abstellraum, zur Waschmaschine. Mir ist nicht klar, was ich dort will, im Abstellraum, bei der Waschmaschine. Wie fremdgesteuert schlurfe ich zur Waschmaschine im Abstellraum. Es fühlt sich an, als würde eine unsichtbare Macht mich zu diesem Abstellraum ziehen, er fühlt sich irgendwie falsch an, der Weg zur Waschmaschine, aber ich kann mich nicht wehren. In meinem Kopf läuft „Song to Say Goodbye“ von Placebo.

Besorgungen

Sag, soll ich nun zum Aldi fahren,
wo sich die Kunden wild gebaren;
soll ich mich auf mein Fahrrad schwingen,
um Brötchen und Tomaten ringen?

Oder soll ich zuhause bleiben,
mir alten Käse einverleiben
auf wenig ansehnlichem Toast,
und schale Cola—na dann Prost!

Hier geht’s zum Rest des Gedichts (Weiterlesen lohnt sich!)

„…warf ich die Last meines wirklichen Lebens ab und übte mich in der Kunst, die Dinge so zu sehen, wie sie nicht sind.“

An alle Bewohner des 21. Jahrhunderts: „Verklärung statt Erklärung“ sei unser Wahlspruch!

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Sprachlosigkeit

Was wäre, wenn wir einmal wirklich miteinander sprächen? Was wäre dann? Wenn wir einander von den alten Wunden erzählten? Wenn wir unser kollektives Schweigen brächen? Einander Vorwürfe machten? Ein Tribunal abhielten? Einander Richter wären und Verteidiger? Würde das den zerbrechlichen Frieden gefährden? Oder erst echten Frieden ermöglichen?

Wir wissen es nicht und sagen uns deshalb „Schön ist es heute!“, „Die Sonne scheint endlich einmal wieder…“, „Hat es bei euch auch so gestürmt?“ Wir jonglieren mit Hohlheiten, werfen einander abgedroschene Satzattrappen zu, aus Vorsicht, aus Angst vor der Sprachlosigkeit.