Sommernacht

Die Straßen haben sich geleert, die Stadt wurde zur Ader gelassen. Mit dem Schröpfglas wurden die Menschen um Mitternacht von den Straßen gepflückt. Morgen ist ein Werktag, und der Schlaf purgiert.

Doch der Asphalt atmet noch Sommer. Und während ich durch das Viertel streife, allein, erspüre ich, was ich schon wusste: dass die Luft ein Medium ist. Auf dem Grund eines Aquariums schlendere ich ins Morgengrauen, über mir kreisen, schwimmen die Mauersegler.

Konsequent

„Wer ‚A‘ sagt, muss auch ‚B‘ sagen“,
prostest du mir zu.
„Denn Konsequenzen muss man tragen,
da hilft kein Jammern und kein Klagen.“

„Komm, nun mach‘ schon,
Kneifen gilt nicht!“,
stimmen deine Freunde ein.
„Oder möchtest du auf ewig
unser Spielverderber sein?“

Ich hadere mit meinem Schicksal,
ihr trinkt derweil eins über’n Durst,
und raunt mir über’s Bierglas zu:
„Für dich gibt’s keine Extrawurst!“

Also fass‘ ich mir ein Herz
—denn nachzugeben tut mir weh—
blicke trotzig in die Runde
und sage zähneknirschend: „B.“

Frühlingsgefühle

Im Karlsruher Hardtwald lustwandelte ich
bei strahlendem Sonnenschein so für mich hin,
durchstreifte den Forst und sammelte mich
mit dem Vorsatz, nichts zu suchen (außer Buchen).

Ich fand mich inmitten der Wonnen des Frühlings,
bestaunte der Tierwelt geschäftiges Treiben,
Käfer, die sich Blätterhumus, und Vögel,
die sich Käfer einverleiben.

Hohen Herzens, frohen Mutes
ging ich Schritt für Schritt für Schritt.
Soviel Schönheit, soviel Gutes,
nur eines bracht‘ mich aus dem Tritt:

Ein (fast) perfekter Frühlingstag,
den ich partout nicht missen mag,
von einem Vogel unerhört jäh gestört.

Warum der kleine Frühlingsvogel
mit seinem pudrigen Gefieder
sich ausgerechnet auf meinem Handrücken erleichtern musste
versteh‘ ich einfach nicht!!!

Cleaning the table in germanized English

Yes, I want to clean the table,
tell everybody my two cents,
and I am sure that I am able
to do so in the English sense.

I know my English’s far from perfect,
I cannot pronounce the ‚th‘,
but I don’t care, ′cause I am German,
and need to set the matters straight.

And if you think big, I think bigger,
and see the even greater good,
it just comes naturally to me,
against all odds and likelihood.

The upshot being: I love talking,
and even more so English-wise,
if I can’t talk, I turn to blogging,
and do so nearly just as nice.

Enttäuschung

Enttäuschung. Ent-Täuschung. Sollte man nicht eigentlich dankbar sein für jede Enttäuschung, weil man, ent-täuscht, klarer sieht als vorher?

Seltsam, dass das Wort (ausschließlich) für etwas Negatives, für ein schmerzliches Gefühl steht.

„Ich bin enttäuscht von dir“, das heißt doch: „Ich habe mich in dir getäuscht, ich bin einer Täuschung aufgesessen; jetzt erkenne ich, dass du ganz anders bist, als ich dachte, nämlich irgendwie schlechter, und das verletzt mich.“

Ist jede Enttäuschung schmerzlich? Muss das so sein?