Zeit, über Zeit zu lesen

Im Moment mache ich nicht sehr viel. In den kühleren Morgenstunden gehe ich ins Freibad oder laufe im Wald meine Joggingrunde… Die Mittage und Nachmittage der vergangenen Woche habe ich — als Tierchen mit einer Wohlfühltemperatur von maximal 25 Grad — in einem beinahe komatösen Zustand verbracht, aus dem mich nicht einmal mein selbstgemachter Eiskaffee retten konnte. Und so kam nach einigen Tagen, an denen ich die Sonne nur zwischen sechs und zehn Uhr morgens zu Gesicht bekommen und mich ansonsten in unserer abgedunkelten Wohnung verbarrikadiert habe, irgendwann eine Art agitierter Langeweile auf. Ich habe mich alleine gefühlt und so, als ob meine Existenz irgendwie ins Leere läuft. Das war nicht so schön.

Und dann habe ich gestern einfach mal wieder „Momo“ gelesen. Es ist nicht so, als hätte ich das schon besonders oft getan; ich glaube, ich habe es nur einmal mit elf oder zwölf oder dreizehn gelesen. Es war auch nicht mein Lieblingsbuch oder so. „Ronja Räubertochter“ hat mich damals eher gepackt, und auch „Der satan[undsoweiter] Wunschpunsch“ oder „Katzenkönig Mauzenberger“ 🙂 (Vielleicht ist „Momo“ auch eher ein Buch für Erwachsene. Als Kind kannte ich einfach keine Zeitdiebe. Und kaum Langeweile.) Aber das, was Beppo über das Straßenkehren sagt, das ist hängengeblieben, daran habe ich mich über die Jahre immer und immer wieder erinnert — immer nur an den nächsten Besenstrich denken, niemals an die ganze Straße. Alle Gedanken, alle Energie in den einzelnen Besenstrich legen, und am Ende kehrt sich die Straße fast wie von allein.

Ich hätte einige Straßen zu kehren im Moment. Meine Dissertation müsste irgendwann einmal irgendwo veröffentlicht werden, ein Aufsatz geschrieben, zwei Seminare vorbereitet… Vielleicht schaffe ich es ja, in den Momenten, in denen ich meine Straßen nicht kehre, auch nicht ans Kehren zu denken. Und in den anderen Momenten einfach Besenstrich für Besenstrich vorzugehen. Das wäre schön.

Autor: alienaid

Mein Wahlspruch: Verklären statt Erklären!

Ein Gedanke zu „Zeit, über Zeit zu lesen“

  1. Wie schön, Momo war mein Spitzname für Jahre und eigentlich bin ich noch immer eine Momo.. und sollte den Text auch mal wieder lesen. Eine ToDoList mit Bücher zum Wiederlesen wäre auch mal was – mit den üblichen verhängnisvollen Konsequenzen, die du hier ja angedeutet hast 😉

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