Dilettantisch dissertieren

Damit kenne ich mich aus. Ich schreibe nun schon fast so lange an meiner Dissertation, wie ich für mein Bachelor- und Masterstudium zusammengenommen gebraucht habe. Mein letzter Studienabschluss wird Anfang September genau sechs Jahre zurückliegen und deshalb muss, nein, pardon, will ich noch in diesem Monat fertig werden mit dem Ungetüm. Drei von höchstwahrscheinlich fünf Kapiteln–so genau kann ich leider immer noch nicht sagen, was am Ende rauskommen wird–sind jetzt überarbeitet und bereit, von mir endgültig und ein für allemal beendet zu werden.

Ich weiß gar nicht so recht, warum das alles nun schon so lange dauern muss. Wahrscheinlich, weil ich große Zeitabschnitte in so einer Art Paralyse verbracht und phasenweise alles je zu meinem Promotionsthema–dem, und jetzt bitte nicht lachen, Haufenparadox–von mir Gelesene, Geschriebene und Gedachte vergessen habe. Vor lauter Panik befand ich mich oft und lange in diversen Zuständen der Totalverwirrung, habe denselben Gedanken zum wahrscheinlich tausendsten Mal gedacht, nur um mich anschließend zu erinnern, dass der ja bereits für bescheuert befunden wurde–von mir.

Ob ich irgendwann einmal denken werde, dass sich die sechs Jahre gelohnt haben, kann ich auch noch nicht mit Sicherheit sagen. „Es ist eine Erfahrung.“ Und wer weiß schon, womit ich die vergangenen sechs Jahre sonst verbracht hätte? Vielleicht wäre ich als Daytraderin reich geworden und würde jetzt, meine finanzielle Unabhängigkeit genießend, an den Wochenenden in meinem Privatheli meine diversen Ländereien abklappern, vielleicht aber auch nicht. Wahrscheinlich eher nicht.

Die Dissertation war für mich auch immer ein bisschen die Hoffnung, das Unvermeidliche noch eine Zeitlang vermeiden zu können, dem Ernst des Lebens noch eine etwas längere Gnadenfrist abtrotzen zu können. Mal sehen, was danach kommt.

Stolz bin ich jedenfalls auf den Titel meines letzten Kapitels, der nicht nur zum Ausdruck bringt, was ich für die Lösung des Paradoxons halte, sondern auch die Antwort auf die gesammelten Erfahrungen der letzten Jahre bereithält: „Unconditional Acceptance“.

 

 

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Autor: alienaid

Mein Wahlspruch: Verklären statt Erklären!

2 Kommentare zu „Dilettantisch dissertieren“

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