Ballade von der philosophischen Fledermaus

Eines Abends—es dämmerte schon—
galoppierte ein Knabe—des Gutsherren Sohn—
über die Felder nach Hause, Gebäck im Gepäck,
und Hirtenkäse und Schinkenspeck.

Er hatte den Gutshof beinahe schon erreicht,
da scheute sein Pferd und strauchelte leicht,
und des Gutsherren Sohn sich unverhofft fand
am Boden, im Sand, mit verstauchter Hand.

Ein Schatten hatte das Pferd irritiert,
der flatterte vorbei gänzlich ungeniert,
streifte Ross und Reiter derart unverschämt,
dass des Gutsherren Sohn sich vergackeiert wähnt‘.

Des Knaben Ärger war beträchtlich
und so schnaubte er verächtlich:
„Schatten, ungeheuerlich!
Sieh, ich weiß ich alles über dich:
Traust dich nur abends aus dem Haus,
du sonnenscheue Fledermaus,
um edle Rösser zu erschrecken,
dich an Insekten zu erklecken!“

S‘ Fledermäuslein dachte sich:
„Nur eines, Bursche, weißt du nicht:
Wie es ist zu sein wie ich.“*

 

*Warum der Knabe nicht weiß, wie es ist, eine Fledermaus zu sein?

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Autor: alienaid

Mein Wahlspruch: Verklären statt Erklären!

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